Vernissage Heinrich Gartentor

Vom 5. April bis zum 2. Juni 2006 zeigt Heinrich Gartentor seine Arbeit "Aufräumen" in der GALERIE AKTUELLER KUNST IM OSRAM HAUS in München. Vernissage ist heute, 19 Uhr.

Was Kunst ist und wie man mit Kunst ins ganz alltägliche Leben eingreifen kann, das sind zwei grundlegende Themen des Schweizer Künstlers Heinrich Gartentor. Ende der 90er Jahre beginnt die Figur Heinrich Gartentor in der internationalen Kunstszene aufzutauchen. Zunächst ist er der fiktive Held einer Romanserie, in der er - konsequent auf dem Grat zwischen Dichtung und Wahrheit - an seinem Einstieg in die Kunstwelt arbeitet. Bald darauf erscheint Gartentor leibhaftig in Galerien und Kunsthallen. Mit seinen Arbeiten agiert er zwischen Kunst und Leben. So kann man sich bei seinen Aktionen ein Kilo seines Körpergewichts bei eBay ersteigern, oder der Künstler bereinigt auf Wunsch zugesandte Privatfotos von unschönem Müll und sonstigen unliebsamen Gegenständen. Dabei beherrscht Gartentor die Strategien des Marketings und der Kunst gleichermaßen perfekt, um sie für die ästhetische Inszenierung seiner kritischen Lebenspraxis einzusetzen. Die Künstlerfigur Heinrich Gartentor steht im Zentrum des Werkes.

In der Ausstellung „Aufräumen!“ zeigt Gartentor die großformatige Fotoserie seiner „Schreibtische“, die ab 1997 entstehen. Bildtitel wie „ziemlich normales Wuchern“ deuten den Kosmos des Arbeits- und Lebenszusammenhangs der jeweils scheinbar chaotisch nebeneinander gesellten Objekte. Der Imperativ des Ausstellungstitels enttarnt sich dabei als bloßes Lockmittel, denn tatsächlich sind die Bilder kein Beleg für Unordnung, sondern Positionsbeschreibungen. Als Kunstwerke jenseits bloßer Dokumentation, sind sie die Inszenierung eines Blickes, der in der realen Wahrnehmung nicht existieren kann: denn die abgebildeten Schreibtische sind jeweils eine Montage aus mehreren Einzelaufnahmen. Alle Details sind darauf in direkter Aufsicht gezeigt. Gartentor gebraucht die Fotografie nicht als Werkzeug momenthafter Fixierung der abbildbaren Realität, sondern setzt sie als künstlerisches Medium ein. Seine Schreibtische sind Portraits eines Künstlertypus, der nicht den klassischen Vorbildern zwischen Malerfürst und Künstlermärtyrer folgt, sondern sich als Organisator des eigenen, ebenso handfesten wie abweichlerischen Unterfangens vorstellt.
Neben der Serie der „Schreibtische“ stellt Gartentor im Ausstellungsraum seine beiden Romane „StartUp“ und „Schafmatt“ aus. Die Osram-Mitarbeiter können beide Romane vom Galerie-Sockel weg ausleihen – und zu Hause genießen.

Die Ausstellung im Rahmen des OSRAM Jubiläumsjahres wird realisiert in Kooperation mit der Galerie gip international fine art, Zürich + Burgdorf

GALERIE AKTUELLER KUNST IM OSRAM HAUS

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